Keine Zeit für Selfcare? Vielleicht braucht sie weniger Zeit, als du denkst.
„Dafür habe ich keine Zeit.“
„Wenn die Kinder größer wären, würde ich mich auch mehr um mich kümmern.“
„Am Abend bin ich einfach zu erschöpft.“
Sätze wie diese höre ich regelmäßig in meinen Beratungen. Und ehrlich gesagt: Ich habe sie früher selbst gesagt.
Ich bin seit vielen Jahren angestellt und kenne den ganz normalen Berufsalltag mit Termindruck, Verantwortung und dem Gefühl, dass die To-do-Liste niemals endet. Gleichzeitig habe ich eine Familie, einen Haushalt und zahlreiche Verpflichtungen – genau wie viele meiner Klient.
Ich schreibe diesen Beitrag also nicht aus einer Position heraus, in der ich unbegrenzt Zeit hätte oder einen perfekt organisierten Alltag lebe. Ganz im Gegenteil. Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie herausfordernd es sein kann, Beruf, Familie und die eigenen Bedürfnisse unter einen Hut zu bringen.
Lange Zeit war ich überzeugt, dass Selbstfürsorge etwas ist, das man irgendwann macht – wenn endlich wieder mehr Zeit da ist.
Heute weiß ich: Genau dieses „Irgendwann“ kommt nicht irgendwann von selbst.
Was Selbstfürsorge wirklich bedeutet
Im Laufe der Jahre habe ich mich intensiv mit den Themen Gesundheit, Stress, Mental Load und Selbstfürsorge beschäftigt. Heute bilden sie einen wichtigen Bestandteil meiner Beratung.
Dabei geht es nicht darum, jeden Tag stundenlange Wellness-Routinen einzubauen oder den eigenen Alltag perfekt zu gestalten.
Es geht vielmehr darum, einen gesunden Umgang mit sich selbst zu entwickeln.
Wie wir mit unserem Körper umgehen, wie wir auf unsere Bedürfnisse achten und welche Priorität wir unserer eigenen Gesundheit geben, sagt oft viel darüber aus, welchen Stellenwert wir uns selbst im Alltag einräumen.
Das bedeutet jedoch nicht, dass mangelnde Selbstfürsorge automatisch ein Zeichen fehlender Selbstliebe ist. Gerade psychische Belastungen, chronischer Stress, Burnout oder andere Krisen können dazu führen, dass Menschen ihre eigenen Bedürfnisse kaum noch wahrnehmen oder versorgen können.
Selbstfürsorge ist deshalb kein Luxus und kein Egoismus. Sie ist eine wichtige Voraussetzung dafür, langfristig gesund zu bleiben um wieder Kraft für den Alltag zu gewinnen.
Wenn Stress unsere Entscheidungen bestimmt
Dauerhafter Stress beeinflusst unser Verhalten oft stärker, als uns bewusst ist.
Viele Menschen greifen dann zu Strategien, die kurzfristig Entlastung versprechen:
- stundenlanges Scrollen durch Social Media,
- Streaming,
- Fast Food,
- permanentes Beschäftigtsein,
- oder andere Formen schneller Ablenkung.
Daran ist grundsätzlich nichts falsch. Solche Gewohnheiten können kurzfristig durchaus entlastend wirken.
Problematisch wird es dann, wenn sie dauerhaft unsere einzige Form der Erholung bleiben.
Mit der Zeit verlieren viele Menschen den Kontakt zu den eigenen Bedürfnissen. Wir nehmen Warnsignale unseres Körpers weniger wahr, gönnen uns kaum noch echte Pausen und ersetzen Erholung immer häufiger durch schnelle Reize.
„Für Selfcare habe ich keine Zeit.“
Diesen Satz höre ich besonders häufig.
Und ich kann ihn gut nachvollziehen.
Viele Menschen verbinden Selbstfürsorge mit den Bildern, die ihnen täglich in den sozialen Medien begegnen:
mehrstufige Gesichtspflege, aufwendige Hair-Care-Routinen, Infrarotmasken, luxuriöse Wellness-Tage oder perfekt inszenierte Morgen- und Abendrituale.
Wer ohnehin schon das Gefühl hat, ständig funktionieren zu müssen, empfindet solche Darstellungen oft als zusätzlichen Druck.
Dabei muss Selbstfürsorge gar nicht so aussehen.
Kleine Schritte verändern mehr als Perfektion
Gerade Menschen mit einem vollen Alltag profitieren häufig von kleinen Routinen.
Ein paar Minuten bewusstes Atmen.
Ein kurzer Spaziergang.
Ein Glas Wasser.
Fünf Minuten ohne Handy.
Eine kurze Dehnübung.
Ein paar Minuten bewusst Musik hören.
Ein gesundes Frühstück.
Das klingt vielleicht unspektakulär.
Doch genau diese kleinen Gewohnheiten können langfristig einen großen Unterschied machen.
Unser Gehirn ist darauf ausgelegt, wiederkehrende Handlungen zu automatisieren. Durch regelmäßige Wiederholung entstehen Gewohnheiten, die mit der Zeit immer weniger bewusste Anstrengung erfordern.
Was anfangs Überwindung kostet, wird irgendwann selbstverständlich.
Genau dann wird Selbstfürsorge nicht mehr zu einer zusätzlichen Aufgabe, sondern zu einem natürlichen Bestandteil des Alltags.
Niemand beginnt mit einem Marathon
Ich vergleiche das gerne mit dem Laufen.
Wer noch nie joggen war und sich am ersten Tag zehn Kilometer vornimmt, wird vermutlich erschöpft, frustriert oder sogar verletzt aufgeben.
Wer dagegen mit kurzen Strecken beginnt und sich langsam steigert, erlebt Erfolgserlebnisse und bleibt deutlich häufiger langfristig dabei.
Mit Selbstfürsorge ist es ganz ähnlich.
Nicht Perfektion bringt Veränderung.
Regelmäßigkeit tut es.
Es muss nicht teuer sein
Selbstfürsorge muss auch nicht viel Geld kosten.
Teure Kosmetikprodukte oder aktuelle Trends sind keine Voraussetzung dafür, dem eigenen Körper etwas Gutes zu tun.
Viele Menschen kommen mit einer einfachen, auf ihre Bedürfnisse abgestimmten Pflegeroutine hervorragend zurecht.
Manche verwenden gerne Hausmittel wie Honig oder pflanzliche Öle. Wichtig ist dabei jedoch zu wissen, dass natürliche Produkte nicht automatisch besser oder verträglicher sind als gekaufte Pflegeprodukte. Jede Haut reagiert unterschiedlich.
Entscheidend ist deshalb nicht der Preis eines Produktes, sondern ob es zu den eigenen Bedürfnissen passt.
Informationen bewusst auswählen
Noch nie war Wissen so leicht zugänglich wie heute.
Das Internet bietet eine enorme Menge an Informationen rund um Gesundheit, Ernährung und Selbstfürsorge.
Das ist eine große Chance.
Gleichzeitig bedeutet eine große Informationsmenge nicht automatisch eine hohe Qualität.
Deshalb lohnt es sich, Informationen kritisch zu hinterfragen und möglichst auf wissenschaftlich fundierte oder fachlich anerkannte Quellen zurückzugreifen.
Gerade im Gesundheitsbereich kursieren viele Mythen und Versprechen, die wissenschaftlich nicht ausreichend belegt sind.
Mein persönliches Fazit
Ich weiß aus eigener Erfahrung, wie leicht wir uns selbst im Alltag vergessen können.
Zwischen Beruf, Familie, Haushalt und den vielen kleinen und großen Verpflichtungen bleibt oft das Gefühl zurück, für alles verantwortlich zu sein – außer für sich selbst.
Doch genau deshalb halte ich Selbstfürsorge für so wichtig.
Nicht, weil wir perfekt sein müssen.
Nicht, weil wir uns jeden Tag mehrere Stunden Zeit nehmen sollen.
Sondern weil wir selbst genauso wichtig sind wie die Menschen und Aufgaben, für die wir jeden Tag Verantwortung übernehmen.
Selbstfürsorge beginnt nicht mit einer perfekten Morgenroutine.
Sie beginnt mit einer kleinen Entscheidung:
Heute nehme ich mir ein paar Minuten Zeit für mich.
Nicht weil ich alles geschafft habe.
Nicht weil ich es mir erst verdienen muss.
Sondern weil meine Gesundheit, mein Körper und mein Wohlbefinden die Grundlage dafür sind, dass ich langfristig für andere da sein kann.
Denn Selbstfürsorge ist kein Zeichen von Egoismus.
Sie ist ein Zeichen von Verantwortung – sich selbst gegenüber.
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